Nicht, nicht, nicht. Doch.

Durch einen Java-Virus mit der Frage konfrontiert, ob ich mein Blog wiederauferstehen lassen oder doch endlich das aufgeben soll, was mir so oft als notwendige Last erschien, habe ich mich (mal wieder) für ein Weiter-so entschieden.

Schwach nenne ich das bei anderen, wenn sie Dinge, von denen sie nicht vollständig überzeugt sind, nicht lassen können. Schwach nennte ich das auch bei mir, wäre es nicht einer meiner wichtigsten Wesenszüge: Nicht-Loslassenkönnen, Nicht-Aufgebenwollen, Nicht-Endgültigentscheiden. Eine Entscheidung zu treffen, und sei sie scheinbar noch so unwichtig, fiel mir noch nie leicht.
Vielleicht ist es ein wesentlicher Wesenszug der Menschen, immer alles haben zu wollen und auf nichts verzichten zu können. Doch je mehr ich diesen Wesenszug bei mir selbst beobachte, der umso stärker wird, je älter ich werde, desto mehr befürchte ich, dass es jener ist, der alte Menschen, die jenseits des Lebenswerten stehen, dazu bringt, sich an ihrem letzten Bisschen Existenz festzuklammern wie ein Ertrinkender an der Hoffnung, doch noch gerettet zu werden, auch wenn das Wasser schon die Lunge füllt.
Meine Großeltern haben so geklammert und auch die des Freundes und auch die meisten Menschen, die ich während meiner Zivildienstzeit im Krankenhaus beim Sterben begleitet habe. Sie alle hatten die Fäuste geballt, wie um das wenige zu halten, was ihnen noch geblieben war: den letzten Atem, das letzte Licht vor dem Dunkel, der letzte dann doch verklingende Ton. Sie alle haben gekämpft, als gebe es noch etwas zu gewinnen und nicht nur zu verlieren, wenn der Tod doch ein letztes Mal an dem fast vollständig vom Leben verzehrten Leib vorübergeginge. Als käme noch Leben in den schon halbtoten Leib.

Die Entscheidung, das Weblog zu reaktivieren, scheint trivial angesichts dessen. Es geht nur um geschriebene Worte, die wenige lesen und die kaum Einfluss haben auf das Denken und Tun anderer Menschen. Ich berichte nicht von Dramen oder Tragödien, nicht von Trauer oder Freude. Ich kann nicht mit Revolutionen aufwarten oder Reformen. Ich kann nur einen Einblick geben in das Leben eines Blockierten, in die Existenz eines Sich-Selbst-Blockierenden, der nicht loslassen, nicht aufgeben, nicht entscheiden kann, und der sich damit das Leben vom Leib hält.