23 | Die Straßen von Tharb
November 21, 2010
„Wie werden wir das Brückentor finden?“, fragte ich Antejar, doch der schüttelte nur den Kopf und sagte: „Gar nicht, denn wir werden keinen Heiler aufsuchen. Kein Heiler kann Dir helfen, denn Du brauchst, wie Du sagst, einen Zauberer. Und die finden wir nicht am Brückentor.“
„Wo finden wir sie dann?“
„Das“, sagte Antejar, „ist eine gute Frage.“
Doch ich hatte nicht auf ihn gehört, sondern gleich eine ältere Frau, die uns in diesem Moment passierte, gefragt: „Kannst Du uns sagen, wo wir einen Zauberer finden?“ Die Frau machte nur ein seltsames Zeichen mit der Hand und eilte weiter.
„Tu das lieber nicht“, sagte Antejar zu mir. „Überhaupt sollten wir uns hier wegbewegen. Ich bin mir relativ sicher, dass der Hafenmeister uns die Geschichte, die wir ihm erzählt haben, nicht glaubt. Solange die Neuigkeit von Deiner Ankunft noch nicht den Hafen verlassen hat, sind wir auf jeden Fall sicher. Danach werden wir wahrscheinlich nicht mehr sicher sein.“
„Nicht sicher?“
„In den Städten der Menschen wirst Du etwas begegnen, das du noch nicht kennst, das aber die Menschen ausmacht. Sie schaden sich gegenseitig auf manchmal unvorhergesehene Weise, und je länger die Menschen in einer Stadt leben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ihren eigenen Vorteil über das Wohl anderer setzen.“
„Du meinst, er wird anderen sagen, dass wir da sind? Warum?“
„Weil Du wirklich eine besondere Besucherin der Stadt bist. Du weißt selbst, dass Du nicht aussiehst wie die Menschen.“
„Ich bin größer und habe eine andere Haarfarbe, das schon. Aber so sehr anders als Ihr Menschen bin ich doch nicht.“
Bamar lachte.
„Warum machst Du das?“ fragte ich ihn.
„Weil selbst ich, der ich mich nicht an mehr als fünf Menschen erinnern kann, weiß, dass Du anders bist als andere. Du bist blasser, größer, vor allem aber strahlst Du etwas aus, das andere verunsichern kann, das sie aber auch Dir zuzieht. Die Menschen sehen, dass Du anders bist, wie ein Tier ein anderes als nicht zu seiner Art gehörig erkennt.“ Er holte tief Luft. „Und gerade diese Andersartigkeit, die die Menschen anzieht wie die Motten das Licht, hat mich aus der Tiefe meines Selbst geholt. Ich weiß nicht, was Du getan hast, aber bevor ich im Körper eines jungen Mannes erwacht bin, nachdem ich in meiner Kindheit eingeschlafen bin, habe ich Dich gespürt, habe Deine Energie wie einen Lichtstrahl gespürt, dem nachzugehen ich mich nicht weigern konnte. Du hast mich gerettet, und viele andere Menschen, die gerettet werden wollen oder müssen, spüren, dass Du das kannst. Wieder andere fürchten, dass Dein Licht etwas in ihnen beleuchtet, das sie nicht sehen wollen oder das andere nicht sehen sollen. Sie wollen lieber im Schatten leben und darum fürchten sie Dich. Sie sind es, die Dir schaden wollen.“
„Dann sollten wir mich vielleicht lieber irgendwo unterbringen, wo ich nicht gesehen werde?“ schlug ich vor, auch wenn mir eher danach war, durch die Stadt zu gehen und mir diese vielen unbekannten Dinge anzusehen, die die Stadt sicherlich für mich bereit hielt. Allein schon in der kurzen Zeit, die wir hier am Hafeneingang standen, war mir schon so vieles aufgefallen, das ich mir gerne näher angesehen hätte, aber nicht konnte, da ich wusste, meine drei Begleiter würden nicht mitkommen wollen.
„Das sollten wir allerdings“, sagte Antejar. „Und ich habe auch schon eine Idee, wo wir einen Unterschlupf finden könnten.“