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Ich bin tatsächlich so naiv zu glauben, dass das Jammern über meine wie und wann auch immer unterdrückte Sexualität mich weiterbringen könnte. Ich gebe mich wirklich der Illusion hin, dass es mein wichtigstes Ziel ist, herauszufinden, warum ich so krumm bin, warum mich Sex mehr fasziniert als das Schreiben. Ich bin fast ernsthaft davon überzeugt, dass es relevant ist zu klären, wieso ich lieber Pornos schaue als Geschichten zu erfinden.

Fast.

In Wahrheit (und darum sollte es mir hinter der Maske von Anders Wolf ja doch gehen) kenne ich die Antworten und den Wert dessen, was ich herausfinden könnte.
In Wahrheit weiß ich, dass ich mich lieber mit meiner Sexualität beschäftige als mit meiner Kreativität, weil Selbstbefriedigung keine Veränderung hervorruft.
Ich fühle mich wohl in meinem Schlammpfuhl, in dem ich mich suhlen kann.
Ich will gar nicht über mich hinauswachsen, denn Wachstum bringt Schmerzen mit sich.
Ich will nicht meine Komfortzone verlassen, um um mein Werk zu kämpfen.
Ich will bleiben, wo ich bin, denn ich habe Angst davor, wohin ich gerate, wenn ich meine Bequemlichkeit hinter mir lasse.

Dass ich schwul bin, habe ich ja nun akzeptiert. Ich bin darin nicht so offen wie andere, ich verleugne meine Homosexualität aber nicht. Entgegen meiner bisher hier gezeigten Obsession mit dem Thema sehe ich mein Schwulsein nicht als besonders relevanten Charakterzug.
Dass ich Pornos mag, habe ich ja nun auch schon mehrfach gesagt. So oft mittlerweile, dass es sogar für mich langsam den Anruch des Skandalösen verliert. Ist eben so. Ich schaue ja auch amerikanische Fernsehserien. Lieber sogar als Pornos, weil sie abwechslungsreicher sind.

Aber auch das: kein relevanter Charakterzug.
Selbstmitleid dagegen.
Faulheit dagegen.
Hybris dagegen.
So ungerne ich diese Eigenschaften mir konnotiere, so wenig kann ich meine Arroganz ignorieren, so übermächtig ist die Erkenntnis, dass ich Zeit verschwende, die ich nicht verschwenden darf. Dass ich die Zeit verschwende, die ich mir so sehr gewünscht habe, um endlich meinen kreativen Kram machen zu können.
Unterdrückte Wut dagegen.
Psychische Autoaggression dagegen.
Paralytische Angst dagegen.

Ich glaube sagen zu können, dass ich mich selbst ganz gut kenne. Ausreichend gut, um dem Bedürfnis, noch mehr über mich herauszufinden, nicht noch mehr Raum in meinem Leben einräumen zu müssen. Zu gut, um dem geringen noch möglichen Erkenntnisgewinn die Auslebung meiner Kreativität unterzuordnen.

Als ich begann, mich selbst kennenzulernen, mich selbst ernst zu nehmen, als ich begann, analytisch über mich und meine Selbstwerdung nachzudenken, war mein Ausgangspunkt auch mein Ziel: Kreativität, Schreiben, Kunst. Als ich mich auf diese Reise begab, war mir lose bewusst, dass ich irgendwann wieder dort ankommen würde, wo ich losgegangen war, denn es ist diese eine Aufgabe, die ich wirklich meistern muss.
Es ist das Eine im Leben, das ich tun muss, und mit dem ich so lange und so oft wieder konfrontiert werde, bis ich endlich aufgebe, mich dagegen zu wehren.
Bis ich endlich aufhöre, meine Kraft im Kampf gegen meine Stärken zu vergeuden.
Bis ich endlich erkenne, dass darüber hinaus keine Erkenntnis mehr wichtig ist.

Ohne das Passwort für wer_bin_ich.doc gefunden zu haben, weiß ich, wer ich bin.