Morpheon    Träume und Verträumtes, manchmal auch nur der neblige Nachgeschmack von Verlorenem.

Das Schloss

Im Traum durch eine obskure und trotzdem bekannte Landschaft gelaufen, Wege hinab und hinauf, die ich kenne und eben doch nicht. Zuletzt befand ich mich in Ruinen eines Schlosses, das mir vertraut vorkam - in früheren Träumen hatte ich hier Zeit verbracht. Die Wände waren damals fein verputzt gewesen, vielleicht auch aus Sandstein. Dieses Mal fehlte das Dach und dennoch war der Blick zum Himmel versperrt, die Wände nur noch unverputzte Ziegelsteine. Größer wirkte das alles, luftiger, und doch, weil ich über bemoosten Boden ging, seltsam gemütlich. 

Ich war zuhause und wusste doch: Ich durfte hier nicht sein. Und tatsächlich kam nicht lang danach der Denkmalschutz, der mich aus dem Dunkel herausholte mit den Worten: Das Eindringen dort sei verboten. 

Dass ich einen Schlüssel hatte, dass dies mein Heim war, dass ich der einzig wahre Berechtigte für diesen Ort sei, sagte ich nicht, denn die Worte leuchteten mir ein: Niemand sollte an einem solchen Ort leben, in einem leeren Museum, einem verfallenen Schloss, einem Nichtort wie diesem. 

Draußen war wieder der lichte Birkenwald, durch den ich vorher gerannt war, bevor ich mich unversehens im Schloss wiedergefunden hatte. Und noch jemand war dort: Jemma Simmons, Agentin bei S.H.I.E.L.D., vielleicht aber auch Elizabeth Henstridge, von der ich neulich erst ein Vlog gesehen hatte. Sie erinnerte mich an jemanden oder eigentlich daran, wie ich einmal gewesen war: Neugierig, fröhlich, nicht so down wie in den letzten Wochen, Monaten, Jahren. 

Wobei ich nicht weiß, ob ich so war. Ich will so gewesen sein, doch ich habe das Gefühl, dass ich so lange schon so bin, wie ich jetzt bin, so ausgeglichen dumpf. So desinteressiert an so vielem.
Und auch hier weiß ich nicht, ob das zutrifft, denn ich bin ja interessiert an Dingen, nur eben in der Regel nicht an denen, die meinen Alltag füllen, was natürlich einigermaßen ungünstig für meine geistige Gesundheit ist.

Nach dem Aufwachen den Nachgeschmack von Verlorenem gespürt, und auch jetzt, einige Stunden und einiges Nachdenken später, weiß ich noch nicht: Trauere ich dem Traum nach oder dem, was ich vielleicht oder vielleicht auch nicht einmal war.