Angesichts des Sonnenscheins. Analyse. Anabel?

Es ist einigermaßen schwierig, bei Sonnenschein pathetische Texte zu verfassen und sich nicht statt dessen über die Imperfektion von Blogging-Software auszulassen, die mir vieles erleichtert, aber das einzige, was ich will, erschwert: das Schreiben pathetischer Texte.
Na, fast.

Das Schreiben funktionierte zwar mal besser, aber immerhin stehen da schon wieder Worte, die zwar keine emotionale Tiefe erzeugen, aber Worte sind es, die ich mir trotz Sonnenschein abgerungen habe. Trotzdem bin ich unzufrieden mit diesem Konzept, diesem Korsett, in das ich mich begeben habe, als ich diese Seite ins Leben rief. Und natürlich interessieren sich meine drei Leser nicht für meine Konzeptionszweifel, da ich aber in einem der überflüssigen Schreibratgeber gelesen habe, man soll immer nur für sich und nie für andere schreiben, da man dann nicht die eigene Stimme erhebt, sondern immer nur das Lied anderer singt, kann ich nicht anders, als mich zu fragen, als mich öffentlich zu fragen, was ich da eigentlich wollte, als ich anfing, als Anders Wolf zu schreiben.

Eine Fortsetzung der alten Seite mit neuen Mitteln?
Eine vorgebliche Öffnung meiner Anonymität?
Eine öffentliche Selbstfindung, Persönlichkeitsentwicklung, Authentifizierung meiner Selbst unter einem Pseudonym?

Einen Fehler, den ich gemacht habe: ich habe die alte Seite importiert, habe die alten Kategorien, in denen ich über Jahre gedacht habe, mitgenommen, obwohl ich doch davon frei sein wollte. Ich konnte und kann auch immer noch nicht loslassen, manchmal lese ich in diesen alten Texten, um vielleicht eine Antwort zu bekommen auf die Fragen, die ich heute habe, die ich mir mit meinem heutigen Wissen, das ich geringer einschätze als mein verlorenes, nicht beantworten kann. Doch das einzige, was mir bleibt, ist Wehmut und die Sehnsucht nach jenen einfachen Tagen, als ich noch nicht paralysiert zwischen den Möglichkeiten saß, die mir mein Leben eröffnete.
Und der Wunsch, wieder schreiben zu können wie damals, als das Pathos so überreich durch meine Texte floss, dass sie noch tagelang an meiner Amygdala klebten. Ja, auch wenn das bedeutete, dass ich mich nicht weiterentwickelt hätte, dass ich immer noch der naive Junge wäre, der keine Ahnung davon hat, dass Scheitern nicht großartige Tragik eröffnet, sondern nur Abgründe in die Seele, die man nie wieder schließen kann, so sehr man es auch versucht, so sehr man auch vorgibt, aus diesem Abgrund wieder neu und stark erwachsen zu sein.
Immer wird man in diesem Abgrund verwurzelt sein und die Dunkelheit spüren, die der Kern jeder Lebensangst ist.

Manchmal aber will ich noch dieser Junge sein, der keine Angst hatte, keine gebrochene Seele, keine Selbstzweifel, der Junge, der immer wusste, dass Schreiben das einzige sein würde, was wahr und wichtig sei.

Was also soll anderswolf.de sein?
Eine Heimat dem Heimatlosen?
Eine Gedankenwerkstatt, wo die Wortlosigkeit in ihre kleinsten Einheiten zerlegt wird, um daraus etwas Neues, Erhabenes zu konstruieren?
Ein Labor meiner Zukunft?
Oder nur der Versuch, mit mir und meiner Vergangenheit abzurechnen?

Ich weiß es nicht, und kann es nicht wissen, da ich mich nicht danach zu fragen traue. Es gibt so wenig, dessen ich mir sicher bin, wenn da überhaupt etwas ist. Zu gerne würde ich neu anfangen, doch mich hält zu viel am Alten. Und so sitze ich im Sonnenschein, der durch die ungeputzten Fenster in das Zimmer fällt und versuche, pathetische Texte zu schreiben und zu vergessen, dass es nicht der Schmerz ist, der mein Leben bestimmt.