Der Verlag. Lebensreise.

In der Mail stand, der Verlag suche nach interessanten Biografien, die man veröffentlichen wolle. Man sei dabei auf mich gestoßen und finde mich und meine Lebensreise passend für das Verlagsprogramm. Ob ich wohl Interesse hätte?
Was für eine dämliche Frage. Natürlich habe ich Interesse, mich veröffentlicht zu sehen. Welcher Autor will das nicht?
Allerdings bin ich skeptisch. Wieso sollten sich Texte, die elektronisch und kostenlos kaum Leserschaft haben, in Buchform verkaufen lassen? Warum sollte sich ein Verlag , warum ein Autor sich darauf einlassen?

Wie jeder, der sich nach einer Veröffentlichung sehnt, habe auch ich schon die Warnungen vor Zuschussverlagen und dubiosen Rechteverwertern zur Kenntnis genommen. Darf ich mich jetzt toll fühlen, weil ich endlich ins Visier der Kaltaquise eines zweifelhaften Unternehmens geraten bin?
Tatsächlich gehört der Verlag zur Omniscriptum GmbH & Co. KG und damit zur VDM Publishing Group, die laut Wikipedia nicht gerade das sympathischste Geschäftsmodell betreibt: die Print-on-Demand-Veröffentlichung von im Internet kostenlos verfügbaren Texten. Dazu zählen Wikipedia-Artikel ebenso wie Dissertationen. Mittlerweile hat man das Geschäftsmodell auch auf Blogs und Foren ausgeweitet, was praktisch ist, da dort Menschen angesprochen werden, die ohnehin Veröffentlichungsdrang besitzen. Und die dann auch mal gerne darüber hinwegsehen, dass ein Verlag sich üblicherweise den Regeln des Buchmarktes unterwirft und nicht allein Eitelkeit und kreativen Drang des Autors ausnutzt.
Denn für den Verlag erstellt der Autor Manuskript, Klappentexte und Cover, bevor er seine Veröffentlichungsrechte abgibt. Der Verlag listet dann im Gegenzug das Buch bei allen üblichen Großhändlern ein, was sicherlich eine nicht zu unterschätzende Arbeit ist.
Dann beginnt die Vermarktungsphase, die wohl vor allem daraus besteht, dass der Autor allen Freunden und Verwandten a) mitteilt, dass er ein Buch veröffentlicht hat, und b) erklärt, wie es zu dem relativ hohen Preis von beispielsweise 24,80 € für 116 Seiten über den Umgang mit der schweren Krebserkrankung kommt. Die Freunde und Verwandte werden dann das flüchtig redigierte Buch trotzdem kaufen, sich dann, wenn sie es gelesen haben, darüber ärgern, aber dem Autor niemals verraten, dass sie sein Buch für minderwertig und ihn selbst für leichtgläubig halten.
Oder schlimmer: dass sie Mitleid mit ihm haben, dass seine Leidensgeschichte ausgenutzt wurde.

Die Entscheidung gegen den Verlag fiel schon im zweiten Satz der ersten Mail, insofern laufe ich hier ausnahmsweise mal nicht Gefahr, Opfer zu werden. Was mich tatsächlich an der ganzen Geschichte so stutzig macht, ist der Umstand, dass die Texte aus diesem Weblog tatsächlich das Einzige sind, was auch nur annähernd veröffentlichungsfähig ist.
All meine anderen Projekte befinden sich in einem so miserablen Zustand, dass ich von Manuskripten nicht sprechen kann, ohne das Gefühl zu haben, dass ich sogar mich selbst belüge.
Was also will ich mit dem Schreiben tatsächlich erreichen?
Regelmäßige Blogbeiträge?
Eigentlich ja nicht.
Trotzdem habe ich nichts anderes vorzuweisen, nichts was widerspiegelt, was ich eigentlich schreiben wollte. Vielleicht habe ich deswegen meine Blockade und meine Unzufriedenheit mit meinem Schreiben, vielleicht komme ich deswegen nicht voran, weil die Richtung einfach nicht stimmt.
Mancher wie beispielsweise ein bauchpinselnder Verlag sieht das als interessante Biografie, ja als Lebensreise, dieses Straucheln und Stolpern durch den Dschungel der Prokrastination. Ich kann mich dem nicht anschließen. Ich finde das weder interessant noch betrachtenswert.
Am liebsten würde ich mich, wäre es nicht mein Leben und nur Tourist auf dieser Reise, abwenden und mein Geld zurückverlangen. So aber bin ich wohl selbst in der Pflicht, mein Leben aufzuräumen und mir endlich die interessante Biografie zu verschaffen, die ich auch selbst gerne veröffentlichen würde.