Mitschiffs

Ich bin irgendwo im Irgendwo.
"Im Nirgendwo" sagt man eigentlich, tatsächlich ist das Gefühl aber anders.
Denn ich bin mitten in meiner Geschichte, in der Geschichte, an der ich jetzt seit 2006 mit Unterbrechungen bastle. Ich habe schon mehrfach versucht aufzuhören in diesen Jahren, ich habe versucht, diese Geschichte zu leugnen, deren Entstehung aus mir heraus ich teilweise distanziert betrachten konnte, als handele es sich um etwas, das einem anderen Menschen passiert. Teilweise - und so ist es auch momentan - fühle ich wieder, wie die Geschichte mir zustößt.

Die Assoziation mit einem Unfall drängt sich nicht von ungefähr auf, es ist nicht so, als hätte ich derzeit eine Wahl. Mir fehlt der Austausch mit anderen Schreibern. Ich habe das Schriftstellerforum versucht, will aber nicht übers Schreiben schreiben, sondern sprechen. Telefonieren kommt aber bei so etwas Intimem wie Schreiberei nicht infrage. Daher weiß ich nicht, ob es anderen auch so geht wie mir: dass ich die Geschichte erzähle, als hätte ich sie anderswann schon gehört, gewissermaßen erzähle ich also nach.
Nur dass dieses Anderswann Bruchteile von Sekunden vorher war, die Erinnerung an die Geschichte schält sich direkt aus meiner meiner Erinnerung an etwas, das nicht war, bevor es in Worte gefasst habe. Eine seltsame Erfahrung ist das, und ich habe eine Vermutung, wie das psychologisch zu erklären ist, dadurch fühlt es sich aber nicht weniger seltsam an.

Derweil fühle ich mich, als wäre ich auf halbem Weg zwischen Hier und Dort. Dummerweise ist die tatsächliche Geschichte noch weit entfernt, ich finde in mir nur die Hintergründe für die Geschichte, Orte, an denen ich noch sein werde, Personen, die ich noch kennenlernen werde. Kurzgeschichten, die ich geschrieben habe, eine insgesamt unabgeschlossene Reise ohne Hinweis auf eine eventuelle Ankunft.