Am Ende gibt es nichts mehr zu sagen, auch wenn nicht alles gesagt ist am Ende.
Es ist einfach vorbei, wobei: einfach, was ist das schon?
Was heißt das in einer komplexen Welt, was könnte es heißen?
Grundsätzlich, also jetzt und letztlich, heißt es: ich höre auf damit so zu tun, als hätte ich nicht längst schon aufgehört.
Also höre ich auf. Weil Fortschreiten manchmal Weggehen heißt.
Nachtrag: Nö. Umorientierung ja, Aufgeben nein.
Nach einem Wochenende, das mich fast zu Wordpress zurückgetrieben hätte, und nach zehnstündiger Reaktivierung des alten CSS-Wissens plötzlich doch in meine neue Seite verliebt.
Die wichtigste Erkenntnis: Ich kann es doch noch, das Reinarbeiten und Durchfuchsen und vor allem Gestalten von Webseiten. Zumindest in Grundzügen. Und ja, es erinnert stark an das letzte neolog-Design, bevor alles den Bach runterging. Aber erstens ist mir das egal und zweitens war das nicht das schlechteste Design.
Jetzt Hunger.
Schwierig zu ignorieren, dass Bloggen früher auch Designen war. Das perfekte Layout war nie zu finden, die relative Leichtigkeit, mit der ich bei twoday via CSS eine komplett neue Seite geschaffen habe, wich bei Wordpress einer bleiernen Fessel, die keine Beweglichkeit zuließ.
Und jetzt hänge ich wieder im Source Code rum statt wertvollen Content zu verfassen. Klar, ist ja auch einfacher, sich oberflächliches Programmieren beizubringen als die schönen, erzählenden Worte zu jagen. Ein bisschen wie Schatzsuche, ein bisschen Mustererkennung.
Irgendwann, denke ich, irgendwann wird alles wieder sein, wie es einmal war. Denkste, werde ich irgendwann sagen: Denkste!
Kein Neuanfang, nur Versuch einer Rückkehr. Der Versuch, nach Jahren anzuknüpfen an zuletzt Unbestimmtes in Form und Ausdruck, in Absicht und Richtung. Klar immer nur: ohne Worte ist alles nichts.
Neuland sieht anders aus und fühlt sich anders an, doch Heimat schmeckt nicht so sehr nach der Angst eines Aufbruchs mit ungewissem Ziel. Vielleicht irgendwas dazwischen: Neumat? Heiland?
Vielleicht das: eine Möglichkeit zur Selbsterrettung durch Wortfindungsentstörung.
In Kürze gibt es hier wieder was zu lesen. Die alten Beiträge werden überarbeitet, neue Inhalte werden vorbereitet. Ich habe lange mit mir gerungen, ob das eine gute Idee ist oder nicht. Eine Antwort habe ich noch nicht gefunden, werde aber die Zwischenzeit konstruktiv mit dem ProjektLog ausfüllen. Die Inhalte werden wie gehabt ohne bestimmte Zielsetzung sein, thematisch an allem herumkratzen, was mich anspringt und sind ansonsten natürlich zum Mitmachen oder Mitdenken konzipiert.
Und natürlich gilt: Vorfreude ist die schönste Freude.
Die Zeit vergeht und nichts ändert sich. Ein Satz wie in Stein gemeißelt und eine Erkenntnis, deren Neuigkeitsgrad knapp unter dem Hinweis rangiert, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Heuer, und damit eigentlich auch nichts neues, sind die Schwalben ziemlich zahlreich, wenn sie einander durch die Enge der Fußgängerzone jagen.
Im Zuge der Aktualisierung auf WP3 sind alle Interimsbeiträge verloren gegangen, nicht schade drum, denn sie alle sind nichts anderes als dieser Beitrag: ein Versuch der Richtungsfindung. Mein altes Weblog, das ich in konsequenter Selbstüberschätzung vor sieben Jahren neolog genannt habe, habe ich der Richtungslosigkeit wegen im Dezember 2009 verlassen. Seither habe ich nach Möglichkeiten gesucht, mich wieder, aber auch in anderer Form schreibend zu betätigen.
Im Gegensatz zu den Betreibern vieler Cat-Content-Blogs allerdings, und das ist das Grundproblem auch schon 2002 gewesen, reflektiere ich den Mangel an Informationsgehalt, den mein Weblog bot. Wie die CCBs mangelte und mangelt es mir an Botschaft, Auftrag, Bewusstsein, eine Lücke zu schließen. Es ergibt sich nichts aus meiner Lebensgeschichte, aus meinen Erfahrungen, aus meiner Vergangenheit. Die Erkenntnis allein, zu allem etwas Konstruktives und/oder Kritisches zu sagen zu haben, reicht nicht, um ein erfolgreiches Weblog zu führen.
Andererseits berichtete mir eine Freundin und literarische Kollegin von ihrem überraschend erfolgreichen neuen Projekt, einer Reflektion ihrer sexuell-erotischen Erfahrungen, das innerhalb von drei Monaten mehr Aufmerksamkeit erlangt hat als ihr rein literarisches Weblog in drei Jahren. Erklärung dafür ist natürlich der allgegenwärtige und allen eigene Voyeurismus, der sich für Sex mehr interessiert als für Poetik.
Verständlich eigentlich.
Bleiben also zwei Fragen: die nach dem Grund und die nach dem Zweck des Erfolgs. Offensichtlich ist es nicht ausreichend, über das zu schreiben, was den Autor bewegt, das hat auch Sol Stein schon oft genug in seinen Büchern über das Schreiben betont. Im Gegenteil muss der Autor immer die Leser ansprechen und deren Interessen bedienen, will er erfolgreich sein. Andererseits ist es auch eine Definitionsfrage, ob man Erfolg von Leserzahlen, Kommentaren oder Spam abhängig macht oder von der Erkenntnis, dass man dem, was man nach außen tragen wollte, die richtige Hülle aus Worten verleihen konnte. Es ist die gleiche Frage, die sich in allen Bereichen des Lebens stellt: Definiere ich Erfolg darüber, dass andere mir zu meinen Entscheidungen gratulieren, oder darüber, dass ich mich mit meinen Entscheidungen wohl fühle.
Es ist dies eine gesellschaftliche Frage, denn genauso, wie wir uns in anderen Bereichen auf alle komplexen Fragen einfache Antworten wünschen, wollen wir (vielleicht nicht bewusst) in allem eher die exrinsische Erfolgsbestätigung als die mit neutraler Selbsteinsicht und damit mit Aufwand verbundene Erkenntnis, dass Erfolg nicht eine gesellschaftsdefinierte Größe ist, sondern wie Geschmack, Leidenschaften und Glücksverständnis einen subjektiv zu bestimmenden Parameter darstellt.
Die alles (und nicht nur die diese letzte Mutation des neolog betreffende) entscheidende Frage ist also: was wollen wir wirklich und welche Werte sind uns wichtig, was ist relevant und was evident unnötig, um Glück im Leben zu erreichen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das die Frage, auf die wir immer wieder in den folgenden Monaten zurückkommen werden, denn sie ist es, die die Menschen allgemein und mich im Besonderen umtreiben: die nach dem Sinn und der Richtigkeit des Handelns der Menschen und der Zukunft der Gesellschaft.
Betrachten wir dies als die erste Schwalbe, die den Beginn des Sommers markiert. Folgen Sie mir, dann werden wir einen üppigen Sommer haben.
Was ist das Leben so öd gewesen ohne mich. So leer in den Worten und so farblos am Tag. Von den Nächten mal ganz zu schweigen. Und dann passiert sowas, dass sich einer einfach nicht mehr zurückhalten möchte, aber eigentlich auch doch nichts schreiben kann oder mag und dann schiebt er es auf seine eigene stolzgeschwellte Stille, dass die vereinfachten Staaten Sicherheitswähler sind. Und dann kann niemand dagegen reden, weil letztlich alles das Gleiche und die Unsicherheit ein Kind keiner Revolution ist.
Immer um diese Zeit fällt in der Wohnsiedlung gegenüber der Strom aus und alles versinkt in gnadenvoller Nacht. Ich schweige mit und freue mich über die Dunkelheit, die es in der Stadt sonst nie gibt. Bis dann die penetrante Nachtnotbeleuchtung wieder angeht. Als ob die Nacht nicht wüsste, wohin sie soll.
In neuen Worten kleide ich mich und in neuem Gewand meine Worte, zu sprechen: ein Neubeginn, eine neue Geschichte, eine neue Hoffnung.