Aus!

Dieses Gesülze, dass ich ja noch gut dran bin, so lange ich meine Niederlagen als Erfahrungen verbuchen kann, habe ich ja schon so sehr verinnerlicht, dass ich gar nicht mehr merke, wie sehr es mir eigentlich auf den Sack geht, keine Ahnung zu haben, was ich eigentlich mit meinem Leben tun will.
Immer noch.
Immer noch ist es dieses "Was will ich denn mal tun?", als ob es nicht schon so weit wäre, dass ich etwas mit meinem Leben angefangen hätte.

Ich bin in mir selbst so blockiert, dass ich es gar nicht mitbekomme, wie ich mein Leben Tag für Tag damit vergeude, herauszufinden, was ich denn mal mit mir mache, wenn ich endlich aufhöre, mich zu vergeuden.

Alles geht an mir vorbei, und ich bemerke es nicht, spiele mein ignorantes "zu gut für die Welt"-Spiel einfach weiter, während draußen die Sonne scheint oder der Regen alles überspült.
Mir kann es ja gleichgültig sein, ich habe mich ja hier mit meinen Depressionen eingerichtet, als ob es kein Morgen, keinen Tag, überhaupt nichts mehr geben müsste.

Wieder habe ich in meinen alten Texten rumgekramt, habe mich leichtfüßig und witzig und pointiert gefunden, nicht so deprimierend schwafelhaft wie mittlerweile, wo ich nur noch Worthülsen und stakkative Pleonasmen hochwürge, die halbverdaut in meinem von allem brauchbarem Vokabular befreitem Hirn rumdümpeln.
Ich hatte schon alles gesagt und konnte nicht loslassen.
Kann es immer noch nicht, denn was ist das denn hier schon wieder, wenn nicht der verzweifelte Versuch, eine Normalität aufrecht zu erhalten, die vor zehn Jahren noch angebracht gewesen wäre, nun aber vollkommen obsolet, weil uninteressant ist?
Es geht nicht länger, ich kann mich damit auch nicht länger belügen. Dieses Kapitel, und sei es noch so lang und langatmig, ist einfach nichts mehr für mich.
Wir sind so sehr auseinandergewachsen, die Wortwerdung und ich, dass es nichts als Überdruß bringt.