Nachtfragmente. Keine Wahl.

Wie eine Wüste übervoll an Sand und leer an Leben ist meine Seele ein Meer aus unsagbaren, ungesagten Worten. Jeden Tag und jede Nacht betrachte ich all das Ungeschriebene, das wie Harz zu Bernstein kristallisiert, darin eingeschlossen kleines Leben, zu betrachten, doch niemals zu berühren.
Und wenn die Tränen kommen, dann berühren sie nicht meine Seele, sondern nur meine Haut, die so weit weg von mir scheint, weiter fort als die Hand des Freundes, der mich trösten möchte, dessen Berührung ich aber nicht ertragen kann, wenn ich so schwach bin, dass seine Liebe mich fast erstickt.

Ich bin außer mir, nicht mehr ich selbst, nicht mehr an diesem Ort, den ich Heimat nannte, als er noch in mir lag. Ich bin fort, auf der Suche nach dem Leben, das mich verließ, als ich auszog, ich selbst zu werden. Zurück will ich, das sehe ich nun, zurück in jene einfache, stille Zeit, da ich nicht Anders Wolf, sondern ein Anderer war, dessen Worte wie Blut aus Wunden zu quellen schienen, unaufhaltsam, doch reinigend, schwächend, doch ein Zeichen von Leben. Jetzt aber ist jeder Satz eine seelenverletzende Narbe, die nie zu heilen droht und immer schmerzt.

Außerdem verstehe ich Wordpress nicht, komme nicht klar mit den Formen und dem PHP, kann Datenbanken nichts abgewinnen und will nicht aktualisieren. Ich will mich nicht um Akismet kümmern und Viagra-Spam, ich will schreiben und nicht noch mehr Zeit vergeuden.

Ich habe Angst vor dem Tod, der mich noch nicht ereilt, ich habe Sehnsucht nach dem Morgengrauen nach einer sternklaren Nacht, ich träume von einem Sonnenuntergang am See. Morgens erwache ich mit zerschlagenem Körper, weil ich im Schlaf gerannt bin, auf der Flucht war vor dem schlechten Gewissen, dass ich mit dürren Worten abzuspeisen gedacht hatte.
Eine Selbstverpflichtung hatte ich mir gegeben, dass ich schreiben wolle bis November, schreiben, um meine Geschichte endlich voranzubringen, doch immer und immer wieder holt mich der bescheuerte Brotberuf ein, die unsäglichen Arbeitszeiten, die nervigen Nachbarn. Ich bin vollkommen an einem Ende angekommen, mittlerweile sagt mir sogar mein Konto wieder, dass ich das falsche Leben lebe.
Ich habe so viele Pläne und gleichzeitig so viel Zeit, dass ich von so vielem nichts mehr tun kann, weil ich mich nicht zu einem Anfang entscheiden kann. Ich bemitleide mich noch nicht einmal mehr selbst, so überdrüssig bin ich allem.

Und dann stürzt alles ab und ich bin nur noch ich.
Kein Sender kommt noch durch, kein Blitz schlägt mehr ein, kein Donner durchbricht noch die Stille.
Es ist Nacht draußen, eine dunklere Nacht als sonst, dunkler als jemals zuvor.
Alles ist schwarz und alles ist plötzlich so einfach.