Who is Black Spark? | ANDERSWOLF

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Who is Black Spark?

Von der Front
Januar 13, 2011

Das kürzeste seiner bislang zehn Videos nennt er 'Famous'.
Jazmine Sullivan singt darin:

Cause I gotta be famous
I need to be somebody
No one wants to be invisible
Everyone just wants to be seen.
I know one thing is so irresistible
Cause we all need a reason to be.

Black Spark fragt darin:

Is this why I do this?

Black Sparks Videos zeigen nichts als Sex. Durchtrainierte Männer, die alleine, zu zweit oder zu dritt Sex haben. Black Sparks Videos haben keine komplizierte Handlung, seine Schnitte, die härter sein und weniger PowerPoint-artige Überblendeffekte haben könnten, wechseln ohne offensichtliche Assoziation von einer Sexszene zur nächsten, er zeigt Masturbation, Penetration, Ejakulation dabei mit einer Leidenschaft, die andere Filmemacher einer Tischlampe oder einer vom Wind verwehten Plastiktüte widmen könnten.
Black Spark wehrt sich gegen den Titel Pornograph, sieht sich als Künstler, veröffentlicht seine Filme aber auf einer Webseite, die sich als Plattform für 'homemade adult films' versteht, und so sehr man das als 'selbstgemachte Filme für Erwachsene' übersetzen und wertfrei interpretieren möchte, kommt doch nichts anderes raus als Amateurpornos.

Was an Black Spark fasziniert, ist sicherlich der rein pornographische Aspekt seiner Filme, was auch erklärt, warum 99 % seiner über 1300 Freunde auf Facebook männliche Homosexuelle sind. Seine Filme sind aber mehr als nur Orgasmenarchive.
Blacks Kameraführung, sein Spiel mit Licht und Schärfentiefe, die Ausblendung zumeist ins Schwarze, die Auswahl der Begleitmusik sowie seine konsequente Vermeidung, Gesichter direkt oder unmaskiert zu zeigen, verwandeln seine Videos in Projektionsflächen für Interpretation und Introspektion.

Doch auch er selbst bleibt ein Geheimnis. Wie er seinen Darstellern Hintergrund und Identität nimmt, so ist auch Black selbst ein Mann ohne Gesicht, Historie und Identität, durch seine in allen Videos gestellte Frage Who is the black spark? fordert er seine Zuschauer auf, ihn zu ergründen.
Natürlich ist auch das Teil seines Erfolgs, natürlich ist seine künstliche Identitätslosigkeit das Geheimnis seines Erfolgs, die Gerüchte um seine Person, die Diskussion um die Grenze zwischen Kunst und Pornographie, das alles fördert die Verbreitung seiner Filme. Seine Filme, die in der Konzentration auf die Lust, auf den sexuellen Akt weder provozieren noch sich konzentrieren, zeigen Begierde, Selbstvergessenheit, Verletzlichkeit, Macht und Machtlosigkeit, vor allem aber in der Beschränkung auf das Äußere des Aktes auch die damit überdeckte Einsamkeit und den Schmerz des Alleinseins, die nur durch körperliche, nichtemotionale Verbindung mit Anderen überwunden werden kann.

Blacks Filme visualisieren die eigenen unverstandenen Süchte und Wünsche im Versuch, sich sich selbst zu erklären. Black Spark ist damit weder ausschließlich Pornograph noch Künstler, vor allem aber ist er Archivar der Schwulen seiner Zeit. Wie der Regisseur Tim Kincaid , der als Joe Gage mit seiner Kansas City Trilogie  die Schwulen als Kämpfer um die eigene Rolle außerhalb eines konservativen Mann-Frau-Schemas zeigte, dokumentiert Black die Schwulen in einer Zeit, in der sie dank vorheriger Generationen nicht mehr um Freiheit kämpfen müssen, sondern um ihr Selbstverständnis angesichts einer auf Oberflächlichkeit und körperlicher Perfektion getrimmten schwulen Szene, deren Ansprüche selten unter Waschbrettbauch und 20 Zentimetern liegen.

Natürlich zeigen Black Sparks Filme trotzdem kaum anderes als Männer, die Sex haben. Das Pornographie zu nennen, ist daher einfach und nicht verkehrt, trotz allem aber nicht richtig. Denn in der künstlerischen Aufarbeitung eines Aktes, eines noch dazu einer in Zeiten sexueller Entgrenzung, Fetischisierung und Extremisierung fast schon unspektakulären Aktes, distanziert sich jedes Sekunde, jeder Hüftstoß, jeder Spermatropfen trotz ihrer detaillierten Aufnahme von der sexuellen Erfahrung selbst.
Nicht, dass Blacks Videos nicht erregend wären, im Gegenteil.
Sie konfrontieren den Zuschauer in ihrer entblößenden Direktheit aber immer wieder mit dessen eigener unterdrückten Begierde, seinem körperlichen Verlangen, seiner unstillbaren Sucht nach dem einen Körper, der ihm endlich die Gewissheit gibt, zu sein, gut zu sein, richtig, heil und gesund zu sein. Black Sparks Filme stellen dem Zuschauer immer wieder die Frage, die sich auch Black selbst in seinem Video mit dem Titel 'Famous' stellt:

Everyone just wants to be seen. Is this why I do this? 

Anders

Semiliterarisches Lebenslogbuch von
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