Usus operi    Introspektion, nur mit Vorsicht zu genießen.

How to not drown

Es mag sich anfühlen wie Schmerz und doch ist es nur Leere. Langeweile. Ein entnordeter Kompass. Reparabel vielleicht, vielleicht aber auch einfach nur ein weiteres Ding, was zu ignorieren ist. Zu überspielen. Spielend leicht ist das, es nennt sich "so tun als ob", und das ist ja nun mal das Einfachste von allem. 

Alles nämlich ist einfach, wenn ich es nur will. Und auch wenn das Einfache das ist, was mir in der Regel nicht gelingt, ist das nur eine weitere Regel, die zu brechen ist. Eine Grenze zu überwinden, ein Knoten zu durchschlagen, eine leere Seite zu beschreiben. Wieder und wieder die gleichen Worte aufs Papier setzen: Ich kann das. Ich kann das. Ich kann das. 

Im Grunde wie Magie. Licht in der Dunkelheit finden und die Dunkelheit dann einfach überstrahlen damit. Alle Geister austreiben, alle Schatten verjagen, alle Zweifel exorzieren. Das wollte ich schon einmal, ich erinnere mich daran. Kein Zweifler mehr sein an mir selbst und meinen Fähigkeiten. Dann kam die Pandemie, fokussierte mich auf mich selbst, und was ich gesehen habe, hat mir nicht mehr Vertrauen in mich selbst gegeben. 

Darum: Ich kann das. Ich kann das. Ich kann alles. Ich kann auch diese dumme Geschichte schreiben, ich kann mich um Stipendien bewerben, um Schreibseminare, ich kann bei Wettbewerben mitmachen, ich kann sogar welche gewinnen, wenn ich mich nur richtig anstrenge. Vielleicht kann ich auch irgendwann wieder aufhören, mich zu isolieren, mich zu verzwergen, so zu tun, als hätte ich es nicht verdient, gemocht zu werden. 

Denn das ist es ja eigentlich: ich will gemocht werden und glaube gleichzeitig nicht, dass es gut für mich ist, sichtbar zu sein. Selbst dieses repetierende Experiment einer emotionalen Selbstoffenbarung, diese Exhibition meiner Gefühle, meiner Sorgen, meines pathetischen Gejammers: auch nur Auswurf eines verwirrten Gefühls von "Sieh mich, aber schau nicht hin". Denn ganz ehrlich: wenn ich wollte, dass dies jemand liest, der mich kennt, dann schriebe ich unter meinem echten Namen. 

Und doch akzeptiere ich die Möglichkeit, dass ich gelesen und erkannt werde. Dass ich vielleicht - mal wieder - bemitleidet werde. Oder verspottet, was weiß ich. Dass sich jedenfalls mein doofes altes Trauma wiederholt. Dass ich auf mich aufmerksam mache und es bereue. 

Wie machen das wohl andere Menschen, die große Kunst schaffen und daran nicht zerbrechen. Oder gehen diese Menschen das Risiko ein, obwohl sie wissen, dass sie daran zerbrechen könnten? Oder wissen sie, dass nicht die Kunst sie zerstört, sondern die Zweifel, die sie haben könnten an sich und dem, was sie erschaffen? 

Ein Fritzfranz-Problem: zu wissen, wie es ist zu leben, aber doch Angst davor haben, es wirklich zu tun. Den Schmerz einfach wegprokrastinieren. Und ja, nicht alles ist Schmerz, das wenigste, um genau zu sein. Vieles ist einfach Arbeit. Langwierige, langweilige Arbeit. Wort an Wort reihen, tief im Gehirn nach dem nächsten Wort graben und dann an das vorige heften, einfach immer wieder und immer weiter. Und von nichts anderem angetrieben als der Hoffnung, dass alles irgendwann Sinn ergibt. Dass irgendwann am Ende noch genügend Kraft übrig bleibt, um auszujäten, was nicht mehr ins Bild passt. Oder einfach ignorieren, dass eine Selbstentblößung vielleicht mehr zeigt als beabsichtigt. 

Wer sich am Grunde des Ozeans wiederfindet und nicht ertrinken will, muss einfach in irgendeine Richtung gehen und nicht zwischendurch umkehren. Sieh nicht zurück, geh einfach immer weiter voran. Ich kann das. Ich kann das. Ich kann das. 

Angelsgeduld

Nach Reaktionen fischen und im Trüben eines Schriftstellerforums nach Feedback stochern, das ist ein mühseliges Geschäft. Wie sollte es anders sein? Gerade im Lyrikbereich gibt es viele kleine Fische und nur wenige Hechte, die große Literatur produzieren, und jetzt tummle ich mich auch noch im ohnehin nur kleinen Becken und versuche meinen ungerechtfertigten Anteil am Plankton abzubekommen. 

Ich tauge eigentlich nicht dazu. Ich bin kein Schriftsteller, kein Autor. "Ja aber", sagt Ihr zu recht, "ist denn das hier, dieses Fortschreitungsdings, ist das denn keine Schreiberei?" Nein, das sagt Ihr nicht, und das nicht nur, weil Ihr nicht existiert, sondern auch, weil Ihr unrecht hättet. Halb zumindest. Ja, es ist Schreiberei, aber nein, es qualifiziert mich nicht dazu, Autor zu nennen oder eben Schriftsteller. Wortwerfer vielleicht, Ergußlyriker, Schwallpathetiker, aber doch kein wahrer Künstler. 

Kunst ist natürlich subjektiv, und Kunst vergleichen zu wollen wird nicht funktionieren und niemanden glücklich machen, weder die Erzeuger noch die Verbraucher von Kunst. Was der eine als Kunst sieht, ein monochromes Bild mit interessanten Strukturen beispielsweise, erscheint dem anderen nur als leere Leinwand und keineswegs als gerechtfertigte Raumnutzung. Gleichwohl rechtfertigt diese Gleichzeitigkeit, Diffusität von Kunst-oder-nicht-Kunst wahrscheinlich die Einordnung als Kunst. Öffnet das Werk einen Diskussionsraum, ist es Kunst. Erzeugt es Desinteresse, Langeweile, ödet es an, dann kann es weg. 

Natürlich ist dann auch wieder die Frage berechtigt: Was definiert den Diskussionsraum? Ist es ausreichend, dass sich die Frage stellt, ob das Kunst ist oder weg kann? Oder muss es tatsächlich auch eine inhaltliche Diskussion geben? Im Fall der weißen Leinwand könnte man eine Gesellschaftskritik hineinlesen: Wir haben so viele Leinwände und so wenig Farbe sie zu füllen. Oder: Ich bin deprimiert, mag es mir aber nicht ansehen lassen und darum male ich meine Angst in Weiß auf und über meine Narben. Oder: Der Weiße Mann als Tonangeber hat ausgedient, das einzig Weiße, von dem ich mich dominiert sehen will, ist ein weißes Bild. 

Sei es, wie es sei: Kunst entsteht im Auge des Betrachters. Problematisch nur, wenn es keinen Betrachter gibt, wenn das Kunstwerk allein in der Weite steht und niemand sieht es. Wenn ein Baum fällt, und niemand ist dabei, fällt er dann wirklich? Wenn ein Stern implodiert, und niemand sieht es, ist es dann wirklich eine Nova? Arbeitet, um mich selbst von anderswo zu zitieren, die Milz nur dann, wenn man sie betrachtet?

Auf das Schriftstellerforum bezogen: ich brauche diese unmögliche Geduld. Die wenigsten der eingestellten Gedichte dort werden ausführlich besprochen, und wenn, dann in der Regel von Leuten, die sich nicht wirklich kritisch oder hilfreich damit auseinandersetzen wollen. Ich habe damit meine Probleme, weiß aber, dass sie inhärent der Internetkultur des Austausches geschuldet sind: nur wer gibt, dem wird (vielleicht) gegeben. 

Bleibt mir also nur weiterzuschwimmen durch den Schlick und Schlamm des lyrischen Tümpels, in den ich mich da begeben habe, in der Hoffnung, das zu finden, was ich vermutlich suche: Anerkennung. Albern ist das, denn welche Form von Anerkennung will ich da haben? "Oha, dichten kann er ja doch" ist ja nun auch nicht, was ich hören will. Oder eigentlich schon, aber es bringt mich wahrscheinlich nicht weiter. Denn selbst wenn ich das zu hören bekäme: es lehrt mich nichts. Und auch wenn ich mich nicht immer in der Rezeption von Feedback so anstelle, als würde ich daraus lernen wollen, so bleibt mir doch kein anderer Ansporn als der, immer besser zu werden.

Mein Talent (es sei mal angenommen, ich hätte welches) reicht nämlich nicht aus, um meinen Roman oder die fünf Kurzgeschichten zu vermarkten. Und damit meine ich: mich will niemand lesen. Ich schreibe nicht interessant oder nahbar genug. Vielleicht habe ich auch die falschen Themen (wenn ich überhaupt welche habe). Mitunter fesseln mich meine Texte ja selbst nicht genug, dass ich sie zuende bringen will. Sonst hätte ich ja nicht so unfassbar viele Fragmente gehortet in der Hoffnung, dass sie irgendwann einmal ein zusammenhängendes Bild ergeben. 

Auch da hilft wahrscheinlich nur: Geduld. Und: Weitermachen.  

Is this the real life?

Schattengäste bei den Schriftstellern vorgestellt. Krass, wie alt das Gedicht ist, wie jung ich damals war. So anders. 

Manchmal versuche ich mich an mein damaliges Selbst zu erinnern, an den scheuen, aber extrovertierten jungen Mann, der Angst hatte gesehen zu werden, den es aber dennoch so deutlich ins Rampenlicht trieb, dass er keine Scheu kannte, ein selbstgeschriebenes Gedicht auf der Bühne vorzulesen, aber Angst hatte, in einem Theaterstück mitzuspielen. Vielleicht weil er nicht wusste, wie anders tatsächliche Furchtlosigkeit sein könnte. 

Später, als ich schon ein anderer war, besaß ich diesen Mut, der kein Gegenteil kannte. Und das war nicht nur das Fehlen von Sorge, sondern ein komplettes Ausblenden möglicher negativer Konsequenzen meines Tuns. Ich war frei, im besten Sinn dieses Wortes. Ohne mir Gedanken machen zu müssen über das Morgen, das Später, das Gleich. 

Ich erkenne diesen Menschen mittlerweile kaum noch wieder. Klar, ich bin knapp 20 Jahre entfernt von ihm, und es ist viel passiert in diesen zwei Jahrzehnten, aber dennoch ist mir diese Zeit auf ähnliche Art verschlossen wie meine Jugend und Kindheit. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich schon immer Ende 30 / Anfang 40 gewesen, hätte in dieser Wohnung gelebt, wäre von einem Zimmer zum anderen gegangen und hätte mal hier und da aus dem Fenster gesehen, während draußen die Welt und das Leben vorbeirasen wie Kometen. 

Wie läuft das mit den Tagen, Wochen, Monaten, Jahren? Wieso kann ich nicht einfach zurückblicken in einen anderen Moment, als erlebte ich ihn gerade neu? Wieso fallen mir die Namen meiner Mitschüler nicht mehr ein, obwohl ich mir in der Schule sogar ihre Geburtstage eingeprägt hatte, als hätte mir das einen Nutzen gebracht. Wieso habe ich nur so diffuse Erinnerungen an die Urlaube mit meinen Großeltern, weiß nur lose, dass wir durch das damalige Jugoslawien gefahren sind, um mit meinen Eltern Urlaub in Griechenland zu machen? Wieso erinnere ich mich lebhaft an die Alpträume, die ich als Kind hatte, aber nicht daran, wie es in der Schule war? Wie lange hebt das Gehirn Erinnerungen auf, bis es sie zugunsten neuer Erfahrungen entsorgt? 

Natürlich weiß ich, dass das Gehirn anders funktioniert, sich anders organisiert. Dass Sinneseindrücke über synaptische Verbindungen abgebildet werden und wiederholte Muster stärker sind als einmalige Erlebnisse, sofern diese Einzelerlebnisse nicht besonders einprägsam, sprich traumatisch sind. An den Unfall auf dem Rollsplit erinnere ich mich - und doch nicht, denn dazu ging alles zu schnell. Eine andere Autofahrt, sehr langsam durch dicht und dick fallenden Schnee, kommt mir in den Sinn - welche Assoziationskette liegt da in meinem Gehirn vergraben? 

Wer bin ich in diesem Sammelsurium aus Erinnerungen, Anekdoten und Scheinwirklichkeiten. Is this the real life? Or is it just Fantasy? sangen Queen, und ich habe aus meiner Perspektive keine Antwort darauf. Bin ich echt oder ein Konstrukt meiner in die Zukunft reichenden Erinnerungen? Ist meine Persönlichkeit eine retrospektiv eingefangene, aber prospektiv aufgefächerte Extrapolation? Wo ist mein ich verwurzelt, in welchem Haus wohnt mein Geist? Bin ich oder bin ich nicht -  und da, das gebe ich zu, endet mein Text etwas gewollt pathetisch - mein eigener Schattengast? 

Einsam ohne

Seit Wochen sitze ich am Fenster, sehe sie draußen, diese Menschen. Sollten die nicht zuhause sein, am Fenster sitzen und die leere Straße beäugen? Das Fallen der Blätter, das langsame Ziehen der Wolken, ach was, keine Wolken: Hochnebel. So hoch, ich kann ihn kaum mehr erkennen, nur Hellgrau, fast Weiß über dem Blau. Neulich noch Kraniche oder Reiher oder Gänse, nachschauen hätte ich können, habe doch bestimmt ein Buch, im Zweifel das Internet, doch eigentlich ist es egal. Sie ziehen fort, und ich bleibe am Fenster und beschaue die Wolken, den Hochnebel, und unten die Menschen. 

Seit Monaten sitze ich am Fenster, und immer noch wehen Menschen wie fallende Blätter durch die Straßen, droben die Wolken, mehr Blau als Hellgrau oder Weiß, bald wird Schnee fallen, und ich sitze dann am Fenster, lasse den Blick steigen in die Wolken, presse mir die Nase platt an der Scheibe. Kalt ist die, kann der Schnee kälter sein? Ich lege eine Hand auf das Glas, fühle nichts von den Menschen, wie auch. Sind zwar da, aber fern. Ich will sie nicht mehr sehen, warte auf den Schnee, der alles zudeckt, das Laub, die Straßen, die Menschen, die Welt. 

Im Sommer habe ich vom Balkon aus in die Sonne geblinzelt, spürte die Hitze bis tief unter die Haut. Hummeln besuchten den Lavendel. Ab und zu ein Vogel auf dem Geländer, ein überraschtes Pfeifen dann, doch das vertrieb mich nicht. Auf meinem Balkon war ich König, nur die Wolken über mir, am herrlich aufgespannten Himmel. Unter mir das Meer, murmelnd, fast wie Stimmen. Hätte es Menschen gegeben, ich hätte sie lachend begrüßt. 

Vielleicht gab es sie.
Weiß nicht. 
Egal auch. 
Habe niemanden vermisst. 

Ab und zu verlasse ich die Wohnung. Hülle mich dann in meinen Panzer aus Mütze, Maske, Schal, Mantel, Stiefel. Erkennt mich niemand so, und ich schleiche vorbei an allen, die mir ein Gespräch aufdrängen wollen wie Ware, die sich nicht verkauft. Die sind sicher auch viel daheim, denke ich, falls mich doch wer erwischt. Spüre den zähen Nebel in ihren Worten. Auch sie haben vergessen, wie man spricht. Sprach. Früher. Vorher. Smalltalk, so hieß das. Wie schmeckt dir das Wetter, gefällt dir die Uhrzeit; solche Sätze müssen das gewesen sein. Heute immer gleich zur Sache: Wie geht es, kennst du wen, wie lange wohl noch, diese Spinner (droben wie drunten). 

Verabschiede mich dann - ein Relikt aus alter Zeit - höflich, bevor ich gehe. Muss einkaufen gehen, obwohl der Kühlschrank überquillt und aus den Schubladen die Dosen zu mir aufblinzeln. Werden wir heute geöffnet, wenigstens morgen? Hier ist es so voll, hol uns raus. Iss uns, alles ist besser, als hier eingezwängt zu sein.

Hunger habe ich keinen mehr, mich dürstet nach einer erträglichen Einsamkeit. 

Am Fenster stehe ich später wieder und blinzle hinauf in den Himmel, Wolken ziehen mit den Kranich-Reiher-Gänsen um die Wette. Bald ist wieder Sonne, wo Schnee sein sollte. Viel zu warm alles, die Sonne, die Wolken, der Nebel, und trotzdem sind mir die Finger kalt. 

Eine Freundin ruft an, ich sehe sie auf dem Display, sie klingelt in einem Ton, der vorwurfsvoll klingt. Ich sehe sie läuten, und ich freue mich, ihr Gesicht zu sehen. Dann bricht es ab. Das Display wird wieder schwarz. Ich hoffe, sie versucht es wieder. Gerne würde ich sie wieder sehen. 

Alles nichts

Natürlich ärgere ich mich immer noch über den Wettbewerb. Komplett sinnbefreit. Ein Leser der Geschichte fand sie doof, monierte meinen offensichtlich nicht wissenschaftlich akkuraten Umgang mit einer Singularität: Die Geschichte wäre ok, wenn sich das schwarze Loch als Konzept zumindestens in grober Annäherung mit dem deckt, was ein populärwissenschaftlich interessierter Laie darunter versteht. 

Das ist jetzt zwei Wochen her, und natürlich ärgert es mich immer noch. 

Klar, rückblickend weiß ich auch, dass ein Astrophysiker einiges zu monieren gehabt hätte an der Geschichte, aber der Wettbewerb war erstens in der Sparte Phantastische Literatur angesiedelt und zweitens findet die ganze Handlung ohnehin nur in der Vorstellung des Protagonisten statt, der ebenso wenig wie sein Autor Ahnung von Astrophysik hat. 

Wobei mich wahrscheinlich eigentlich nur ärgert, dass mir nicht selbst die Unzulänglichkeit meiner Vorstellung eines schwarzen Lochs aufgefallen ist. Natürlich hat nicht geholfen, dass der Kommentator im gleichen Beitrag auf andere Autoren verwiesen hat, die seiner Ansicht nach komplexe Geschichten unnachahmlich schreiben können, implizierend, dass die sich nicht so daneben benommen hätten im Umgang mit Singularitäten. 
Bei mir blieb im Endeffekt nur hängen: Lass das mit dem Schreiben. Du bist nicht begabt genug, um einen Blumentopf zu gewinnen. Entmutigung deluxe halt. 

Auch nicht hilfreich die Erkenntnis, wie sehr sich seine Sicht auf Phantastik mit der meines Vaters deckt. Anfangs konnte ich noch darüber witzeln, letztendlich aber war es genau wie damals, als mein Vater sagte: Phantastik ist billig, man kann sich ja einfach alles ausdenken. Für jemanden wie mich, der seit fast 15 Jahren daran arbeitet, sich etwas auszudenken - eine Geschichte, die sich mittlerweile schon drei- bis achtmal gehäutet hat und die immer mehr Anleihen an real existierender Mythologie nimmt - ist das natürlich ein Schlag unter die Gürtellinie. Wie gesagt: Entmutigung. 

Im Grunde könnte mir das egal sein - wie mir alle Tiefschläge eigentlich egal sein könnten. Sei es die Abmahnung, sei es der Spott von Freunden über meine Entscheidungen, sei es das eine oder andere Trauma aus der Schulzeit; immer wieder gab es Momente, in denen ich meine kreative Ader auch nur ein Stückchen präsentieren wollte, und immer habe ich eins auf den Deckel bekommen. 

So oft, wie ich darüber schon lamentiert habe, sollte man meinen, das ginge eloquenter. Geht es nicht. Wozu sollte ich denn verblümen, wie sehr mich das trifft? Ist ja nicht so, dass mir Eloquenz hier hülfe. Zurücksetzung empfinde ich ja trotzdem. 

Was hülfe, wäre, es nicht zu ernst zu nehmen. Denn im Grunde nutzt mir die Anerkennung anderer nicht. Ja, es wäre schön, wenn sich jemand für die Kunst, die ich mache oder machen will, interessiert und mich irgendwie auch fördern will, aber wenn ich auf eine Aufforderung oder Erlaubnis Kunst zu machen warte, dann kann ich auch vergessen kreativ zu sein. Niemand wartet auf mich, der einzige, den ich glücklich machen muss, bin ich selbst. Alles andere ist nichts wert.