Sturmauge [Wettbewerbsbeitrag]

Die Pfade in meiner Haut sind
Arme eines ausgreifenden Sturms.
In sich neigender Bahn zeichnen sie
meinen Sturz aus kreißender Zeit.

Zwischen den Horizonten
führen sie mich durch die Fremde
sich verschattender Tage
dem Ursprung der Stille entgegen.

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Beitrag im Wettbewerb „Lesezeichenpoesie“ des Deutschen Schriftsteller-Forums; März 2015; fünfter Platz von zehn Teilnehmern.

Der unsichtbare Mensch

Deiner angesichts
werde ich
lautlos, fühllos, körperlos

Im Auge meines Schweigens
verberge ich mich
angst- und zweifelvoll

Über meine Lippen
kommt kein Wort
aus meinen Augen
kein Gedanke

Eine Berührung nur
eine Umarmung

Ich falle
in Deine Arme
bin daheim
bin da.

Ewigkeiten

wie lang
denkst du
ist lang
genug

Frühlingssturm

Vogelfederschlag
Blütenblätterwirbel

alle Uhren stehen still

wie dramatisch
denkst du
und wendest dich
doch nicht ab

Regentropfenfall
Blitznarbenfirmament

alle Uhren stehen still

wie lange
denkst du
ist lange
genug

Sie geht

sie geht
sagt sie
mit gefiederten Schritten

als sei sie
Vogel oder
Engel

sie sagt
sie gehe
durch die Wolken

wie Sonnenstrahl
ein Blitz, ein Donner
der Regen

durch die Zeiten
sagt sie
gehe sie

aus deiner Erinnerung
in deine Träume
heraus – hinein

sie geht
sagt sie
sie geht