ANDERSWOLFFORTSCHREITUNGEN
Weil Stehenbleiben auch nicht hilft.
Und noch ein wenig später | 09.01.14 | Von der Front

Seit ich gekündigt habe, seit ich dieses neue Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen habe, das da nicht einfach nur zermürbende Arbeitslosigkeit sein soll, strebe ich mehr als bisher auch eine bewusste Neuorientierung an. Also versuche ich aus der vermeintlich arbeitslosen Zeit einen aufgabenerfüllten Alltag zu stricken, mit dem ich zufrieden sein kann, wenn ich abends ins Bett gehe. Eines habe ich im Unterschied zu meinen vorigen Zeiten der Arbeitslosigkeit dabei schon erkannt: dass ich keinem sozialversicherungspflichtigen Job nachgehe, heißt nicht, dass ich keine Aufgabe im Leben hätte.

Tatsächlich habe ich mich mittlerweile schon so weit geordnet, dass ich das, was ich früher nur insgeheim lieber als alles andere gemacht hätte, auch tatsächlich vor alles andere stelle. Nach einer überraschend kurzen Umgewöhnungsphase, die ich (ungewöhnlich offen für meine früheren Verhältnisse) Anderen gegenüber als "mittlere Lebenskrise" vorstelle, habe ich mich in einen neuen Trott eingeordnet: Ich stehe um 6 Uhr 30 auf, sitze ab 7 Uhr am Schreibtisch und werkele bis 18 Uhr 30 vor mich hin.
Bis Mitte Dezember bestand das Werkeln überwiegend aus Mikroblogging bei tumblr, bis die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens selbst mir klar wurde. Seither konzentriere ich mich wieder zunehmend auf die Geschichte, die ich rund um den Jungen am Abgrund einmal entwickelt habe. Und obwohl ich immer noch keine richtigen Ergebnisse habe, keinen neuen zusammenhängenden Text, habe ich mittlerweile vieles Neue entdeckt, habe Hintergründe ausgearbeitet, die mir gefehlt haben, habe dem Plot Raum zur Entwicklung gegeben. Und doch bin ich nicht zufrieden mit meinem Fortschritt. Und dank Günter weiß ich auch wieso. Günter hat in den verlorenen Kommentaren zu Noch später gefragt, was ich erfahren möchte, was ich für mich mit "Was will ich erreichen?" übersetze.
Wahrscheinlich hat er nicht bezweckt, mich mit seiner Frage zu verunsichern. Tatsächlich aber habe ich die letzten Tage kaum ein Wort zu Papier gebracht, weil an der Frage, wozu ich das eigentlich mache, kein Weg vorbeiführte. Es ist die Frage nach dem Sinn meines Tuns. Also nicht die Frage, die bisher meine war: Was will ich?
Denn was ich will, ist mir schon lange genug klar: Schreiben.
Nicht mehr, nicht weniger.
Wenn ich den ganzen Tag Wort an Wort gereiht habe, bin ich glücklicher als bei so ziemlich allen anderen Tätigkeiten, die ich im Leben ausprobiert habe. Das erklärt eine Menge, auch die Zweck- und Ziellosigkeit, mit der meine Texte in meine verschiedenen Blogs geflossen sind. Es wird auf Dauer aber nicht genug sein, denn die Frage, was ich will, verknüpft sich, wenn ich mal über den engen Radius dieses einen Wortes "Schreiben" hinausgehe, schnell mit der Frage, warum ich das will.

Was also will ich mit dem Schreiben erreichen?
Spontan habe ich geantwortet, ich wolle mich selbst (und vielleicht die Welt) verstehen. Doch die Frage und meine unzureichende Antwort haben mich nicht in Ruhe gelassen. Denn im Grunde müsste ich, um zu schreiben, nicht veröffentlichen. Ich hätte keines meiner Blogs beginnen müssen, ich hätte weiterhin Ordner um Ordner mit ungelesenen Texten füllen können. Und doch habe ich mich anders entschieden.
Tatsächlich will ich veröffentlichen, tatsächlich will ich gelesen werden und natürlich will ich auch Zuspruch und Aufmunterung erfahren. Dafür reicht aber das stiefmütterlich behandelte Blog nicht aus, dafür braucht es größere Anstrengungen und vor allem eine neue Form des Schreibens und Veröffentlichens.

Darum beende ich meine Selbsterkundungsreise an einem Punkt, von dem ich eine gute Aussicht habe auf das, was ich kann und bin. Ich kündige hiermit etwas an, auf dessen Einlösung wir alle wahrscheinlich einige Zeit warten müssen: die Umstrukturierung dieser Seite weg von einer pseudo-literarischen Konkurrenzveranstaltung hin zu einem Werkzeug für die Erstellung des Buchs. Wie das konkret aussehen kann und wird, weiß ich noch nicht, vielleicht führt die Konzentration auf die Geschichte auch zu einem kompletten Verzicht auf diesen Schauplatz.
Wenn ich dadurch das Buch fertig bekomme, ist es das wert.
Falls ich an mir scheitern sollte, kehre ich zurück.