Die Tage sind gezählt, ich höre nur nicht den Countdown

Glaubste doch nicht, dass das einfach so weiter geht.
Glaubste nicht und willste auch nicht glauben.
Wem denn, was denn, wozu denn?

Die Zeit läuft und ich bin noch nicht am Start, nicht mal nahe dran bin ich.
Wenn ich drüber nachdenke - was ich nicht tun sollte -, dann deprimiert mich das natürlich.
Was sonst auch, ginge anderen nicht anders: Mistleben bleibt Mistleben, egal wessen Selbstmitleid da jault.
Bekomm mal den Arsch hoch, denke ich mir und lasse mich dann doch wieder fallen.
Setze mich an den Copmuter, um angeblich Bewerbungen zu schreiben, statt dessen lese ich seit Wochen ein Blog, dessen Fiktionalität offensichtlich ist, vom Autor aber als Dokumentation eigener Erlebnisse verkauft wird.

Mir ist das egal, es geht mir beim Lesen nicht um Inhalte, nicht so sehr jedenfalls, Coming-of-Age eben, was halt hip ist derzeit (also die letzten dreißig Jahre). Auch der schwule Sex, der da beschrieben wird, hält mich nicht bei der Stange, so iterativ ist er. Da wird geblasen und gefickt und dann nackt rumgehangen. Passiert. Wenn man will, kann man Sexszenen auch schöner schreiben. Tatsächlich aber berührt mich die Entwicklung der Figuren über ihre Grenzen hinaus, Pushing the envelope nennt der Autor das, dieses leichte Vortasten über den Rand der Komfortzone hinweg.
Ich mache das schon lange nicht mehr. Ich habe mich eingeigelt, mich wieder zurückgezogen. Nach all den Fortschritten im letzten Jahr, nach all der Energie, die ich mobilisiert habe, bin ich wieder in meinem Trott gefangen, in meiner Miesepetrigkeit, in meiner Kraftlosigkeit.
So sehr, dass ich da echt keinen Bock mehr drauf habe.
Gutes Zeichen, sagt der Bock in mir, aufwärts gehts.
Mit jedem Tag, da nicht mehr Selbstmitleid rumhampelt und alle Energie verbraucht, kann vielleicht ein Tag für Konstruktives genutzt werden.

Vielleicht doch endlich mal das erste Video machen, das ich jetzt seit Monaten vor mir herschiebe.
Vielleicht endlich mal die Homepage erneuern.
Vielleicht, vielleicht.
Die Liste ist lang.
Freunde anrufen, steht ganz oben.
Was soll ich da sagen: Hallo, ich bin immer noch nicht weiter, aufwiederhören?

Ich spreche ja doch nur wieder über mich und die beschissene Arbeit, die mir das Letzte abverlangt.
Leider nur meinen letzten Nerv, nicht meine Aufopferung oder die Grenzen meiner Kenntnisse.
Mich hält nichts mehr außer der Wut.
Vielleicht bleibe ich darum im Laden, vielleicht kommt mir der Leidensdruck darum noch nicht hoch genug vor.
Weil ich dort wütend sein darf, rasend vor Emotion.
Weil ich mich sonst immer beherrsche, ja sogar den dümmsten Kunden gegenüber.
Über die ich mich dann natürlich wieder aufrege.
Meine Frustgrenze reicht bis 12 Uhr mittags.
Vielleicht ist das natürlich.
Vielleicht haben sich die Kerle im Alten Wilden Westen deswegen immer mittags gegenseitig erschossen: zu Beginn des Leistungstiefs geht zuerst die Laune runter und das Aggressionspotential hoch.

Die Zeit läuft, die Winterpause ist vorbei. Lange kann ich nicht mehr jammern, bevor ich wieder einen gutgemeinten Rat bekomme, der heißt: ändern oder Maul halten.
Am besten beides.