Aufgeräumt. Alles Klar.

Ja, gut, ich habe über Black Spark geschrieben.
Andererseits ist das kein Grund, sich davon über zwei Wochen blockieren zu lassen. Dass es das tut, ist offensichtlich, denn die ganze Zeit frage ich mich: "Was sollte das denn? Das ist doch Pornographie und das passt nicht in mein aufgeräumtes Leben!"
Jeden Tag, den ich mit diesem Gedanken konfrontiert bin, denke ich mir: "Ach was. Aufgeräumt. Alles klar."
Was war denn letzte Woche, als ich im Fitness-Studio diesen Typen, der nur gefragt hat, ob ich mit dem Laufband nicht klarkäme, erzählt habe, dass mein Leben irgendwie nicht so rund läuft und ich deswegen nach zehn Sekunden auf dem Laufband denke: 'Bah, wie langweilig'.
Und er dann noch schnell die Kurve kriegen wollte mit: "Das wird wohl am Wetter liegen".
Und ich ihm dann gesagt habe, dass es daran liegt, dass ich mein Potential verschleudere.

Aufgeräumt.
Alles klar.

Pornographie macht es aber auch nicht besser. Und man kann ja über Black Spark sagen was man will (oder glauben, dass er wirklich nicht versteht, wie man seine Filme, in denen dauernd ejakuliert wird, als Pornographie bezeichnen kann), aber die Videos sind wirklich nicht gerade die passende Unterhaltung bei einem Buttercreme-Oma-Abend.
Oder vielleicht gerade da wieder.
Gemeinsam mit seinen Eltern will man sich das zumindest nicht ansehen, und ich finde, dass das als Porno-Definition mindestens so gut, wenn nicht besser passt als Ich erkenne Pornographie, wenn ich sie sehe.

Um über mein Schweigen hinwegzukommen muss ich nun also gestehen: mich erregen die Videos von Black Spark.
Ja, ich weiß, dass das klar war.
Aber sie erregen mich nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Sie entzünden meine Gedanken, legen Flammen an so viele meiner Schutzbehauptungen. Sie führen mir meine Körperlichkeit genauso wie meine vermeintliche körperliche Imperfektion vor Augen (und die Erkenntnis, dass ich da wohl doch nicht drüber erhaben bin). Sie wecken in mir wieder den Wunsch, mit Bildern zu arbeiten, denn Bilder sind ja so einfach, so viel einfacher als Worte, die man umständlich setzen muss, bevor sie auch nur ansatzweise so stehen, dass sie wirken. Und gleichzeitig zeigen sie, dass Kunst viel schwerer zu machen ist, wenn man sie nicht erklären kann.

Vor allem aber denke ich die ganze Zeit an die Maske, die ja momentan auch mein Zeichen und Makel ist. Was Black Spark und mich verbindet, ist ja nicht nur unsere Präferenz für Schwänze, sondern vor allem der paradox anmutende Versuch, sich durch das Tragen einer Maske (sich selbst und anderen) zu offenbaren.
Weiter bin ich dadurch natürlich auch nicht.
Dass ich Pornographie mag, habe ich ja schon mehrfach geschrieben. Dass ich Pornographie nicht immer unbedingt auf mehr als eine Art faszinierend finde, war wahrscheinlich erwartbar. Was also schockiert mich selbst daran, dass ich über Pornographie schreibe, die ja sogar noch den Zusatznutzen des Kunstanspruchs trägt? Gibt ja immerhin genügend Pornographie, über die man unter keinem anderen Gesichtspunkt als dem der Dauer der Erektion schreiben kann.

Natürlich könnte ich anführen, dass ich abgelenkt war, Freunde, Buchprojekt, Bewerbung, nerviger Job, Fitness-Studio, Facebook, Badminton, Dollhouse, Shadowmarch, Schlaf. Aber nur ich habe mich abgehalten, habe meine Worte zurückgehalten. Jedes Mal, wenn ich das erste Bild im Beitrag über Black Spark gesehen habe, dachte ich: "So weit bin ich schon: entblößt bis auf die Haut und teils weiter, doch die Maske sitzt noch genau so fest wie vorher."

Vielleicht aber habe ich auch nur Angst vor dem, was käme, entschiede ich mich endgültig, meine Maske abzunehmen. Ich müsste die dritte Liste machen, aufschreiben, was ich werden, wie ich sein, was ich ändern will. Und ich müsste mich irgendwann an all dem messen lassen, was ich in einem vielleicht schwachen, vielleicht starken Moment als meine mögliche Zukunft definiert habe, und zugeben, dass ich mich (wieder einmal) ge- oder enttäuscht habe. Vor diesem Moment habe ich mehr Angst, als zuzugeben, dass ich Pornographie mag und sie einen weit größeren Anteil an meinem Leben hat als das Schreiben.