ANDERSWOLFFORTSCHREITUNGEN
Weil Stehenbleiben auch nicht hilft.
Alles, was zählt | 07.09.11 | Morpheon

Wie wir so voneinander behaupten, einander nicht zu kennen, um einander näher zu sein.
Wie wir uns ignorieren um des Ignorierens, um des gemeinsamen Nichtkennens wegen.
Damit wir überhaupt etwas gemein haben.

Wohin geht man mit solchen Erkenntnissen, wohin wendet man sich, wenn man in einer Sackgasse zu stecken scheint. Zurück geht ja nicht, da kommt man ja her, da weiß man schon, dass es da nicht weitergeht.
Vorwärts aber, wo soll das sein, wie soll das gehen, da ist ja nix.
Vielleicht mit geschlossenen Augen und voller Wagemut, denkt man, könnte man die Wand durchschreiten, durch die es kein Durchkommen zu geben scheint.

Und tatsächlich, wenn ich nicht mehr mit dem Rücken zur Wand stehe, wenn ich mich einfach, furchtlos, ahnungslos nach vorne fallen lasse, dann ist ein Weg da, den meine Augen nicht sahen, mein Herz aber immer ahnte.

Und dann ist man doch wieder alleine mit all seinen Ängsten, denn Angst ist ein Gefühl, und Gefühle kann man nicht teilen wie Kuchen oder Suppe oder Milchreis.
Gefühle gehören immer nur einem alleine, denn keiner fühlt wie ich und ich fühle niemals wie Du.
Und überhaupt wäre es unfair, könnte man all seine Gefühle, und seien sie Freude und Liebe und Glück, und seien sie Trauer und Einsamkeit und Angst, anderen überstülpen und sie dadurch zu einem Stück seiner Selbst machen.

Und so halten wir uns an der Hand, in unterschiedliche Richtungen blickend, zwischen uns diese Mauer aus Ignoranz, die nicht kleiner oder durchgängiger wird, je länger wir beieinander sind.
Aber das macht nichts, denn ich glaube, Du hältst gerne meine Hand und ich die Deine, und ich denke, im Moment ist das alles, was zählt.